Ausstellung "10 Jahre Wattolümpiade"

Aus Wattopedia
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Konzept

Die Stadt Brunsbüttel richtet in Zusammenarbeit mit dem Verein Wattolümpiade e.V. zum 10 Jährigen Bestehen der Wattolümpiade eine Ausstellung in der Stadtgalerie im Elbeforum aus.

Arbeitstreffen

Erstes Vorbereitungstreffen in der Stadtgalerie mit der Galeristin Frau Eickermann-Moseberg (rechts) und Torsten Lange (links).

Galerien



10 Jahre Wattolümpiade Anno Watti 2014

Wortbeitrag von Jens Rusch


Die Geschichte der Wattolümpiaden und ihrer Placenta, der Wattpsychologie, ist eine Geschichte der Verwirrungen und Missverständnisse.


Viele Jahre blieb der wattpsychologischen Grundlagenforschung eine internationale Anerkennung versagt. Möglicherweise zu Recht.

Dabei kann das Wattpsychologische Institut durchaus mit wissenschaftlichen Resultaten und Vermutungen aufwarten, die vielleicht nicht unbedingt größeren Respekt verdient hätten, jedoch mit noch näher zu definierender Sicherheit eine größere Aufmerksamkeit. Hier einige Beispiele im Schleudergang:

1. Da wäre die Theorie unseres Instituts-Mitarbeiters Dr. h.c. wattpsych R. Schütterung, dass die gefürchteten Tsunamis auch an der Küste Dithmarschens möglich seien, wenn sich die tektonische Platte Helgolands unter Trischen schieben würde. Eine Veröffentlichung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften scheiterte vermutlich daran, dass niemand genau sagen konnte, wie man "Tsunami" auf Plattdeutsch bezeichnen könnte. 2. Sie alle kennen die Chaos-Theorie. Demnach könnte der Flügelschlag eines Schmetterlings in Malaysia einen Tornado in Florida auslösen. Bis hierhin reine Theorie. Unser Instituts-Mitarbeiter Dr. h.c. wattpsych Erhard Mariposa machte jedoch genau diesen verantwortlichen Schmetterling ausfindig. In einem Waldstück bei Christianslust. Leider spießte er den Chaos-Schmetterling auf, um ihn seiner Sammlung hinzu zu fügen, was jetzt eine Verifizierung seiner Theorie naturgemäß ein wenig erschwert. 3. In seinem Fachbuch "So funktioniert Dithmarschen" wies Dr. h.c. wattpsych Momme Mannüberbord (das bin ich) bereits 1977 auf die Notwendigkeit der Errichtung von Ersatzteillagern im Watt hin, um sechsteilige Unterschenkelfrakturen von Krebsen reparieren zu können, die von epidemisch wattwandernden Touristen vor Büsum zertreten wurden.


Ein durchaus fundiertes und segensreiches Wirken also, im schlammigen Untergrund dieses amphibischen Feuchtbiotops, das erst ein Vierteljahrhundert später zum Nationalpark Wattenmeer ernannt werden sollte. Eine schöne Ehre für uns - wie wir zunächst annahmen.

Schon sehr früh verfügte das wattpsychologische Institut Brunsbüttel über eigene Forschungsschiffe. Kapitän Dr. h.c.wattpsych Henry Hammerhai bewies beispielsweise vor Mitarbeitern des Institutes für Meeresforschung in der Kieler Förde, dass die halbe Tonne tatsächlich rotzfrech abgekipptes dithmarscher Watt keineswegs in der tidenarmen Ostsee nach sechs Stunden wieder auftauchen würde.

Der neben einem schlappen Dutzend anwesender Fernseh-und Pressefuzzis ebenfalls anwesende Minister Günter Flessner harrte tapfer bis zum Ende der sechs Stunden aus. Ein erster Triumph für uns Wissenschaftler.

Viele von Ihnen werden sich noch an die charakteristische Harpune mit dem saugfähigen Toilettenpümpel zum Lebendfang von Wattungeheuern auf dem Bug des schönen Forschungsschiffes M-S. Gönn mi dat erinnern.

• Ebenfalls konnte nachgewiesen werden, dass die bereits erwähnte Kontinentaldrift das versunkene Rungholt bis in die Bucht vor Soesmenhusen verdriftet hat. Ein Schornsteinrohr, dass bei ausgesprochen tiefem Ebbestand sogar manchmal rauchte, ließ die Vermutung aufkommen, dass dort möglicherweise noch eingeschlossene Rungholter überlebt haben könnten. Ausgrabungen sind in diesem Areal jedoch extrem aufwändig, weil sie alle sechs Stunden völlig volllaufen. • Ein weiterer Forschungsbereich namens "Lyrik, Prosa und Fauna" des wattpsychologischen Institutes beschäftigt sich mit der Bionik dieser Küste und noch ein anderer Forschungsbereich mit der Studie "Naturnutz statt Naturschutz". • Letztendlich dem Anlass unserer heutigen Fachtagung in diesen Räumen, der schlammsportspezifischen Aufarbeitung zu Recht vergessener Sportarten.


Unzählige Berichte in den Wissenschaftsmagazinen der Fachhochschule für Seriositätswissenschaften, die durch raffinierte Kleinanzeigen wie "Autobahnteilstücke preiswert abzugeben" finanziert wurde, blieben von der Fachwelt auch weiterhin erfolgreich ignoriert. Neben unseriösen Beiträgen, wie beispielsweise die Studie über das Flugverhalten von Kartoffelschipps, für den tatsächlich ein Windkanal in Wolfsburg angemietet wurde, musste ein Beitrag unseres Institutes über die Brennbarkeit des Wattes irgendwie staubtrocken wirken.

Das änderte sich jedoch ALLES mit einem irrwitzigen Paukenschlag, als die Stadt Brunsbüttel ein hochkarätiges Team für das sogenannte "Stadtmarketing" in Lohn und Brot setzte. Ruckartig wurde die Messlatte für kreative Wissenschaft an der gesamten Westküste so gewaltig hoch gelegt, dass sie heute kaum noch sichtbar ist.

Leider blieben die kreativen Protuberanzen dieses erfolgreichen Trios weitgehend folgenlos. Einzig und allein einige Löcher in den sogenannten "Bürger-Steigen" der Stadt zeugen heute noch von einer ihrer spektakulärsten Aktionen, dem sogenannten "feierlichen Anschirmen", das erst später eine respektvolle wattpsychologische Entsprechung im sogenannten "feierlichen Abködeln" des Wattkampf-Areals am Soesmenhusener Deich finden sollte.

Aus wattikanischer Sicht kann man also dieses "Anschirmen" und unser "Abködeln" durchaus wissenschaftlich kongruent bewerten.

Die Löcher sind immer noch in der Koogstraße zu bewundern und wenn man die Deckel vorsichtig beiseite schiebt, kann man einen tiefen Blick ins noch näher zu definierende Bodenlose werfen. Heute nur ein Blick - gestern noch harte Schleusenstadtwährung.

Die meisten Städte an der norddeutschen Westküste leben von einer faszinierenden Folgenlosigkeit. Vielleicht liegt darin die einzigartige Chance für die Regenerationsfähigkeit dieses amphibischen Lebensraumes. Auch das Watt erobert sich ja bekanntlich seinen Lebensraum seit Jahrtausenden immer wieder zurück. Das hat nicht nur die Flora und Fauna des schmutzigen Geläuftes geprägt, sondern auch das Denken vereinzelter Menschen.


Als sich im Jahre 2003 aus den Reihen der Wissenschaftler des Wattpsychologischen Institutes der heute hier so imposant anwesende "Wattikan" entwickelte, sollte der Beraterfunktion des wie erwähnt hochdotierten "Stadtmarketings" aus unserer Sicht eine entscheidende Rolle zukommen. In den Vorgesprächen für eine mögliche Reanimierung der im Watt sanft und schmutzig entschlafenen Wattolümpiade prägte der unvergessene Michael Derpmann dann das unvergessene Zitat :

"Lassen Sie die Finger davon. Mit solch einer Nummer habe ich bereits ein Einfamilienhaus versenkt".

Das hat uns damals ungeheuer imponiert, denn wir hatten im Watt selbst bereits allerlei versenkt, allerdings bis dahin noch kein Einfamilienhaus.

Der Mann schien also tatsächlich etwas von seinem Job zu verstehen . Und aus genau diesem Grund avancierte er zu unserem neuen Idol.

Der Wattikan plant durchaus, am heutigen Wattkampfgelände mit diesem unvergessenen Zitat gelegentlich eine Bronzetafel zu errichten.

Als Dr. h.c. wattpsych Lasse Leinenlos und Dr. h.c. wattpsych Bodo Bodenwelle nun begannen, die Wattolümpiade als raffinierte Medien-Kampagne für die wissenschaftlichen Anliegen des Wattpsychologischen Institutes in die Weltpresse zu lancieren, tauchten völlig neue Probleme am schlammigen Horizont auf:

Ein kurzes Beispiel von atemberaubender Schlichtheit mag dieses stellvertretend belegen:

• Auf der Suche nach längst - und häufig wie bereits angemerkt, auch völlig zu Recht - vergessenen Wattsportarten, stieß man auf den guten alten Aalstaffellauf. Ursprünglich wurde dieser von den Hallig-Flaschen-Postboten ausgeübt, denen wir auch den Wattskilanglauf verdanken und das "Nordic Watting" . In Ermangelung geigneter Staffelhölzer, die im Watt nur selten aufzufinden sind, griff man kurzerhand zu den seinerzeit noch vergleichsweise häufigen Aalen.

• Die sahen zumindest so ähnlich aus wie Staffelhölzer, zappelten aber erheblich heftiger als diese. Solch hinderlichem Umstand versuchte nun das Wattolümpische Komitee auf angemessen zeitgemäße Weise zu entsprechen.

Schnell war man sich einig, dass rauhe Handschuhe oder Salz im wattolümpischen Sinne als "Doping" zu werten sei. Auch einigte man sich darauf, dass die Sieger an der Ziellinie, das sollte in diesem Falle die Flutmarke der Elbe sein, freigesetzt würden.

Sofort stellten die Tierschützer unter den Institutsmitgliedern die befürchtete Frage: "Und was wird mit den Verlierern ?"

Nun hatten wir ursprünglich zwar vorgehabt, die Verlierer als schmackhafte Abbilder des richtigen Lebens am Deich zu grillen - trauten uns aber nicht, das so auszudrücken.

Dann fiel uns ein (wie wir meinten) praktikabler Kompromiss ein. Wir kauften Räucheraale, die zunächst großartig in der Hand lagen.

Jetzt konnte man uns wenigstens das Tötungsdelikt nicht mehr anlasten. Allerdings sah das Freilassen der Gewinner unter den Räucheraalen an der Flutmarke der Elbe dann beim ersten Probe-Aalstaffellauf - auch aus wissenschaftlicher Sicht - irgendwie bescheuert aus.

Als unsere Räucheraal-Staffelhölzer dann haufenweise und peinlich tot bei der Strandhalle angespült wurden, gaben wir auch diesen Versuch auf.

Die Lösung fand dann unser Wattpsychologisches Konsulat Geltorf. Dr. h.c. wattpsych Steffen Stint gründete in Rekordzeit die "Aalmanufaktur Geltorf" und entwickelte den seither von uns erfolgreich verwendeten "WuhduAal".


Dazu füllte er weichgekochten Padma-Reis in alte Fahrradschläuche und krönte den Aalkopf mit einem schwarzfarbigen Produkt aus dem Hause Beate Uhse im benachbarten Flensburg. Wenn man diesen windschnittigen Kopf anschaltete, wurde der WuhduAal sogar zum Zitteraal. Im Laufe der Jahre verschwanden dann aus bislang noch ungeklärten Gründen diese Zitteraalköpfe und heute verwenden wir nur noch die Rumpfformen, was der Dynamik dieser durch uns erfolgreich wiederbelebten Sportart keinen Abbruch tut.

Der Wattskilanglauf selbst nahm hingegen eine angemessen amphibische Entwicklung und das ursprüngliche "Nordic Watting" erreichte als "Nordic Walking" das Festland. Diese Sportart sah zwar im Watt bereits hinreichend bescheuert aus, erlebte jedoch eigenartigerweise erst am Festland einen kometenhaften Aufstieg und bekleidet heute eine Stelle hinter dem Komma.

Für die Pflege weiterer historischer Wattsportarten - ich nenne nur den legendären "Euterball" wurde der Wattikan bereits vielfach nicht nominiert und unverständlicherweise auch noch nie ausgezeichnet.

Der Wattikan selbst zeichnet sich durch ein jahrelanges gegenseitiges Schulen in Respektlosigkeit und kreativer Anarchie aus.

Leitsprüche wie "Chaos gehört zum Konzept" verloren auch durch die inzwischen vergleichsweise professionelle Planung und Organisation des wattikanischen Führungsstabes Dr. h.c. wattpsych Lasse Leinenlos, Dr h.c. wattpsych Bodo Bodenwelle und Dr. h.c.wattpsych Ole Oelsardine keineswegs an Bedeutung.

Guerilla-Watting findet inzwischen willkommene "Watt-Ahmer", u.a. beim alljährlichen Schlickschlittenrennen in Greetsiel und demnächst auch an der holländischen Küste. Auch dort steht die wohl wichtigste wattpsychologische Devise im Vordergrund: "Wir dürfen alles und müssen gar nix". Menschen, die ehrenamtlich solchen Sondersinn wie wir entwickeln, dürfen das sagen.


Ebenfalls wird von solchen "Tochterprojekten" besonders gern die phonetische Schreibweise und der wattpsychologische Kosmos des Wattikans übernommen. Und selbstverständlich bestehen wir darauf, dass auch unser Charity-Konzept mit übernommen wird.

Unvergessen in diesem Zusammenhang das Zitat von Dr. h.c. wattpsych Steffen Stint bei der Übernahme des deutschen Tourismuspreises während unseres Beamervortrages :

"Wie Sie sehen, verehrte Damen und Herren, verwenden wir genau wie Sie eine aufdringliche Fülle von Anglizismen. Aber im Gegensatz zu Ihnen schreiben wir die richtig".

Wattpsychologie wurde einmal von einem Kritiker als "mentaler Virus" bezeichnet. Möglicherweise hat er das gar nicht böse gemeint, wusste das aber auch vielleicht nicht besser. Einige der von diesem Virus Infizierten sehen Sie an diesen Wänden - und sie sind unter Ihnen.

Sprechen Sie gern unsere hier anwesenden Wattikanos an. Wenn sie gut drauf sind, antworten sie Ihnen.

Das gilt auch für die Herren, die mit ihren Konterfeimaschinen die Dokumente an diesen Wänden geschaffen haben, damit künftige Generationen sich erinnern, wem sie den ganzen Schlamassel verdanken, der am kommenden Sonntag wieder Wattleten aus ganz Europa auf magische Weise auf das Brunsbütteler Wattkampfgelände zerrt.

Unser Wattpastor und Freund Eddy Huhn brachte es in einem seiner eigenartig stark beachteten Wattgottesdienste auf den Punkt:

Hunderte von Menschen, die sich jedes Jahr an gleicher Stelle für einen denkbar guten Zweck in den Dreck werfen Ein dreckiges Dutzend von zeitopfernden Wattikanos ein amphibisches Areal, welches nach der Wattolümpiade von der Flut zurückerobert wird......

... mehr braucht ein Ort nicht, um "Kultstätte" genannt zu werden !