Jens Rusch

Aus Wattopedia
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Aka Dr.h.c.wattpsych Momme Mannüberbord gründete gemeinsam mit Dr. h.c.wattpsych Henry Hammerhai 1976 das Wattpsychologische Institut Brunsbüttel. Gemeinsam eröffneten sie 1977 nach einer Strandung ihres Forschungsschiffes MS "Gönn mi dat" die erste nach dem chaotischen Muster einer zuvor von ihrem Freund Hein Hoop vom noch näher zu definierenden Zaun gebrochenen Wattolümpiade. 2003 suchten sich die Beiden neue Freunde, um die erste der megaerfolgreichen Wattolümpiaden der Neuzeit zu inszenieren. Das Wattolümpische Komittéé, der Wattikan wurde völlig neu besetzt und strukturiert. Chaos gehörte weiterhin unumstößlich zum Konzept.


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Foto:Rufi
Oliver Kumbartzky links und Jens Rusch 2005. Foto: Jörg Jahnke


Biographie

Ich wohne im legendären Bluesbüttel, der Stadt von Wattstock und Wattolümpiade.Bin Dorfmaler und meine Schüler bemalen Garagentore, was mir innerstädtischen Ruhm gebracht hat. Meine Nachbarn stellen mir hin und wieder eine Schale Reis vor die Tür, damit ich nicht verhungere. Den frisst dann Gitty, meine Katze. Die lügt aber. Sie fordert jeden Atelierbesucher auf, Amnesty Internacional anzurufen, weil sie gegen ihren Willen festgehalten und sexuell missbraucht würde.

Jens Rusch (links) und Michael Behrendt spenden im Namen des Wattikans einen Hunni an Tony Celjak. Foto: Jörg Jahnke

Aber meine Katze wird von den Besuchern genau so schlecht verstanden, wie ich. Um mich zu trösten habe ich das wattpsychologische Institut erfunden und den Wattikan. Dadurch sind Leute zu uns gestossen, die auch nicht sauber ticken. Wir haben zahlreiche Heimseiten im Internet, aber da steht nur Quatsch drauf. Und meine Bilder natürlich, aber das interessiert niemanden. Die Wattolümpiade und das legendäre Wattstock-Konzert interessiert merkwürdigerweise aber doch einige Leute, sogar in China und Russland. Darüber wundern wir uns im Wattikan. Auch darüber, dass man uns den deutschen Tourismuspreis aufgedrängt hat. Will den jemand haben? Hier hängt der nur rum.

Ja, so ist das im Leben: Youre never alone with an scizophrenic. Das kann aber auch daran liegen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der sich ein gewisser Grad an Bescheuertheit als Evolutionsvorteil herauskristallisiert hat. Laut Darwin generiert sich nach der groben Formel von Vielfalt und Anpassung eine Species vollkommen unweigerlich in die Nische hinein, in die sie ohne grossen Widerstand geknudelt werden kann. Der Kosmos Brunsbüttel bietet für abseitige Entwicklungen demnach einen geradezu höllisch idealen Nährboden, er ist sozusagen das Jiffy-Töpfchen für ein Kaleidoskop noch näher zu definierender Dachschäden. Der erste Eindruck, den ich nach meiner Emigration hier erhielt, war der eines Doppelblindversuches. Ich gab ihm den Arbeitstitel "Zweitausend Jahre nasse Füsse".

Wenn man bedenkt, dass ich erst sieben Jahre alt war, als mich schockartig diese Erkenntnis überrollte, kann man sich leicht vorstellen, dass mein Leben danach vergleichsweise placeboartig verlaufen sollte. Ich glaubte einfach gar nichts nichts mehr.


Jeder Erziehungsversuch erschien mir obzön, die Lehrer kokett und unpassend gekleidet. Leider gab es die passenden Drogen noch nicht, die mir die Realität attraktiver hätten machen können. Und für die meisten herkömmlichen Arten unzüchtiger Betaetigung war ich auch noch nicht erreichbar.

Da blieb mir nur die Chance, meine Phantasie zu einem Vehikel umzugestalten und meine Einsamkeit zu möblieren. Aus dieser nunmehr nach Kräften verinnerlichten Emigration sollte ich fortan nicht mehr entweichen.


Und eigentlich wollte ich das auch gar nicht. Versuche und Gelüste hat es wohl schon gegeben, aber der Anblick amateurpolitischer Tanzbären, die sich entweder durch selbstüberschätzende Eitelkeit einen Ring durch die Nase ziehen liessen, oder postpubertierende Dorfmadonnen, die man Tags zuvor vom Melkschemel gestossen hatte, liessen mich zurückweichen wie die Stilaugen einer Wegschnecke, die an eine glühende Zigarettenkippe stossen.


Irgendwann habe ich dann angefangen, meine Befindlichkeiten an Leinwände abzugeben, so wie man Notizzettel vollkritzelt und dann irgendwo an Kühlschranktüren klebt. Mehr wollte ich mit meiner Malerei eigentlich wirklich nie erreichen. Nur den Kopf frei malen, für neue Zettel.

Mein Credo

Dadurch fühlte ich mich merkwürdig wohl. Was weggemalt war, belastete mich nicht mehr. Ich brauchte mich noch nicht einmal mehr daran erinnern. Im Umkehrschluss hat das dazu geführt, dass ich heute in einer Ausstellung völlig ohne Manuskript locker mehrstündige Reden halten kann, ohne mich ein einziges Mal zu widerholen. Jedenfalls, solange mir meine Bilder die nötigen Stichworte zuspielen. Sie sind sozusagen meine Sofleure oder Sofleusen geworden. Ein Gemälde-Karaoke, wenn man so will.

Wen ich gerne kennen lernen würde: Einen Politiker, der nicht lügt, einen Kommunalpolitiker, der Politik macht, weil er das kann und nicht, weil er mal Abends von zu Hause weg möchte, eine Sängerin, die Erfolg hat, weil sie gut singen kann und nicht, weil sie aller Welt ihre Titten zeigt, und jeden Menschen, der nicht lügt, geldgeil ist und nach dem Sinn in seinem Leben sucht.


Auszug eines Textes auf mySpace