Wattstock Indoor

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Zeichnung: Tim Eckhorst
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Wattstock-Indoor

Brunsbüttel - Die Absage der Wattolümpiade hat nicht nur die Veranstalter, sondern auch zahlreiche Musikfans geschmerzt. Denn neben den schmutzigen Spielen im Elbschlick fiel auch das Wattstock-Festival dem Sturm zum Opfer. Auch wenn sich kurzfristig kein Nachhol-Konzert auf die Beine stellen ließ: Es wird doch noch ein Wiedersehen mit den Brüdern Wingenfelder geben.

Bereits zweimal hatten sich Kai und Thorsten Wingenfelder bei Wattstock in den Dienst der guten Sache gestellt, 2006 und 2008 mit ihrer Band Fury in the Slaughterhouse, die damals eines ihrer letzten Konzerte vor der Auflösung hier gab. Inzwischen sind die Brüder wieder auf der Bühne vereint als wingenfelder:Wingenfelder. Seit gestern ist ihr neues Album „Besser zu zweit“ auf dem Markt.

Erste Kostproben daraus wollten die beiden mit ihrer neuen Band eigentlich beim Wattstock-Festival Ende Juli am Elbdeich live präsentieren. Daraus wurde bekanntlich nichts. Das Sturm-Aus war ein Schock für die Macher. „Umso dankbarer waren wir, dass die Bands damals Verständnis für die kurzfristige Absage zeigten und uns Mut zusprachen, uns davon nicht unterkriegen zu lassen“, sagt Mitveranstalter Jens Rusch. Mehr noch: Die Wingenfelders boten zugleich ihre Unterstützung an, stellten ein mögliches Solidaritäts-Konzert nach der bevorstehenden Deutschland-Tour Ende des Jahres oder im Frühjahr in Aussicht. Auch die beiden anderen Headliner, Terry Hoax und Dirk Darmstaedter, signalisierten, sich dann ebenfalls in den Dienst der guten Sache zu stellen, wenn es terminlich nur irgendwie passen sollte.

Eine sturmfeste Lokalität ist mittlerweile gefunden: Die Mannschaft des Elbeforums und das Stadtmanagement sprangen den Olümpia-Machern unterstützend zur Seite, und nachdem die diversen Tourkalender und der Spielplan des Elbeforums inzwischen in Einklang gebracht wurden, steht jetzt der Termin für das erste Indoor-Wattstock fest: Sonnabend, 14. April 2012, ab 19 Uhr. Der Kartenvorverkauf soll rechtzeitig vor Weihnachten starten. In Planung ist auch ein Ticket-Paket inklusive limitiertem T-Shirt. Aktuell wird noch an der genauen Ausgestaltung gefeilt, denn 1:1 lässt sich das Festival, so wie es am Deich stattfinden sollte, mit einer Abendveranstaltung in diesem Ambiente nicht rekonstruieren – „weshalb es auch kein Nachhol-Konzert im eigentlichen Sinne wird“, wie Rusch bemerkt. „Das hätte uns nämlich davor bewahrt, den Großteil der bereits gekauften Tickets erstatten zu müssen, wodurch unsere Pläne zunichte gemacht wurden, das Palliativzimmer am Westküstenklinikum auf Vordermann bringen zu können. Dafür sind rund 20 000 Euro nötig.“



Inzwischen haben wir diese selbstauferlegte Pflich übererfüllt: Scheckübergabe 2011

Der Erlös des Wattstock-Indoor-Events ist für eine Stammzellen-Typisierungsaktion mit der DKMS und der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft vorgesehen.



Terry Hoax

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Terry Hoax gibt es wieder. Die Band, die sich nach einem englischen Künstler benannte, der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts mannsgroße Phalli aus Kaninchendraht herstellte und später einsam und unbekannt verstarb. Die Band, die ihr erstes Low-Budget-Video per Post zu MTV/London schickte und dadurch noch heute den Titel des „am meisten gezeigten Videos einer deutschen Band auf MTV“ trägt. Die Band, die Depeche Mode dazu veranlasste, sich die Haare lang wachsen zu lassen und fortan mit echtem Schlagzeug aufzutreten. Die Band, die 1988 von Oliver Perau und Martin Wichary nach einem Ungarnurlaub gegründet wurde und sich dann 1996 nach 600 Konzerten, vier Studioplatten, einem Live- und einem Best-of-Album wieder trennte. Die Band, die eine echte Rockband war.

Jetzt haben Terry Hoax ein neues Album aufgenommen: BAND OF THE DAY - Ihr eigener Casting-Wettbewerb Ruhm für einen Tag! Hautgewinn waren 33 Studiotage, die Kooperation mit dem Label Peppermint Park und das alleinige Sprachrecht an allen Entscheidungen. Terry Hoax sind moderne Musikpiraten am anderen Ende der Konsumkette. Sie verzichten auf die Zusammenarbeit mit einem Majorlabel, denn Plattenfirmen sind eine aussterbende Spezies.


Ihr neues Album beinhaltet 12 Rocksongs, die aus der Hüfte geschossen und ohne Kompromisse aufgenommen wurden. Die Band wirkt wie neu, wie gedopt und sprüht nur so vor Ideen und Spielfreude. Sie klingen wie ein Konzentrat aus 50 Jahren Rockmusik. Terry Hoax sind ein Kunstprojekt ohne kommerzielles Korsett. Eine Rockfabrik mit zehn Mitarbeitern. Und Terry Hoax sind noch immer eine der besten Livebands im Clubuniversum. Sie haben nichts verlernt und zeigen sich auf dem Cover ihrer neuen CD vermummt wie Autonome. Sie sind Besetzer im maroden Haus der Musikindustrie. Ihre Songs sind wie Molotowcocktails und ihre Texte das Tagebuch eines Brennenden. Sie überzeichnen, faken, nehmen sich nicht ernst und sind doch ernst zu nehmen. Bands wie sie sind selten geworden. Eigenständig, direkt, humorvoll, laut und wütend. Eben eine echte Rockband!

Dirk Darmstädter

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Bei der Musik von Dirk Darmstaedter ist es wie mit Butterbroten. So richtig raffinierte Küche geht anders, aber so eine Stulle sättigt im täglichen Gebrauch doch nachhaltiger als so manches aufwendig dekorierte Tellergericht. Der Akustik-Sound auf "Life Is No Movie" beispielsweise, Darmstaedters drittem Soloalbum, besticht durch seine Lässigkeit, seinen abgehangenen Flow und durch die Stimme des ehemaligen Jeremy Days-Frontmanns. Seinen coolen amerikanischen Duktus in griffigen Pop-Melodien zusammenzukochen, diese Kunst beherrscht Darmstaedter nach wie vor gekonnt. Jeder Song eine Station, eine biografische Notiz, eine Begegnung in Freundschaft, Liebe, Verwunderung. So wie das Leben: treibend, sehnsuchtsvoll, witzig.

Trendresistent blickt Dirk Darmstaedter auf sein Leben zurück. Als wären die Tage des Mittvierzigers gezählt, resümiert er mit melodiösem Gitarren-Pop über seine bisherige Biographie. Sein Fazit? Das Leben ist kein Film.

"Yeah, pop music is such a great, great concept" - das behauptet Dirk Darmstaedter nicht nur, sondern lebt es wieder in großer Bandbreite aus.

Im Gegensatz zum Musikalischen hat sich die inhaltliche Attitüde Darmstaedters etwas gewandelt. Obwohl sich sein Lebensrauf wie ein Erfolgsbericht liest, ernüchtert er in seinen biographischen Texten.



Legen wir den Kalender doch mal einfach weg. In die unterste Schublade, ins hinterste Regal; dorthin, wo wir schon den Spiegel und die Faltencreme versteckt haben. Sonst könnten wir noch auf die Idee kommen, auf das Datum zu sehen. Plötzlich würde sich Vergänglichkeit ausbreiten und wir müssten feststellen, dass es mittlerweile unglaubliche zwanzig Jahre her ist, dass "Brand new toy" von den Jeremy Days knapp vor der Top Ten der deutschen Singlecharts stehenblieb. Der Song klang damals schon, als hätte er diese zwanzig Jahre bereits locker auf dem Buckel. Es ist an der Zeit, dass sich jetzt bitte ein Kreis schließen möge - damit Kalender, Spiegel und Faltencreme auch mal das Tageslicht genießen dürfen.

Es ist dieses Füreinanderdasein, dieses Umsorgen, von denen die Songs nicht nur erzählen, sondern dem sie sich auch gleich selbst widmen. Ein gutes Gefühl, mit der rechten Menge Dur und Moll versehen, steckt gleich im dezent losschunkelnden Opener "Everything beautiful". Es wird die nächste Dreiviertelstunde anhalten.


(Oliver Ding)

wingenfelder:Wingenfelder

W-w.jpg Die Rocker auf dem Bar-Hocker

Von Thomas Reuter

Viel mehr als "Fury in the Slaughterhouse": Wingenfelder & Wingenfelder begeistern in Köln.


Köln. Das wundert nicht: Mit ihrer alten Band "Fury in the Slaughterhouse" haben die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder die größten Hallen gefüllt, zahllose Goldene Platten eingeheimst. Und irgendwie wirken sie zu massig, als sie auf die kleine Bühne der Kulturkirche in Nippes kommen - zu groß für den Altarraum. Ein Gefühl, das schnell verschwindet. "Wir fangen wieder klein an. Wir sind eine Newcomerband", sagt Sänger Kai - und viele der mehr als 500 Besucher müssen schmunzeln. Denn es dauert keinen Song, da hat sich die alte "Fury"-Stimmung schon eingestellt.



Ob Englisch oder Deutsch - wie jetzt: Die Texte treffen den Nerv. Nichts gegen Tim Bendzko oder Andreas Bourani, deren deutschen Songs aktuelle Charts- und Radiolieblinge sind. Die Wingenfelders legen aber eine Reife und Haltung an den Tag, die ihnen in der bundesdeutschen Musiklandschaft eine Ausnahmestellung bescheren.

Einen echten Rocker hält es nicht lange auf dem Barhocker

Rund 160 Minuten steht die Brüder und ihre vier Mitmusiker auf der Bühne. Und sie liefern eine druckvolle Show - mit brachialen und stillen Momenten. Und mit vielen Geschichten. Kai und Thorsten haben zu fast allen Songs eine Episode parat. Erklären Hintergründe, formulieren eigene Positionen - auch politische. Fest steht: Fans von Angela Merkel ("Die falsche Braut") oder "Bunga-Bunga" Berlusconi werden sie nicht mehr. Zuerst sitzen die Musiker auf stabilen, drehbaren Bar-Hockern. Doch einen echten Rocker hält es dort nicht lange.

Das Gotteshaus vibriert

Im Mittelpunkt des Konzerts steht natürlich das Debüt-Album als Duo "Besser zu zweit". Musikalisch fügt es sich nahtlos in den Karriere der Ex-"Furys". Gradliniger Rock, einfühlsame Balladen - ein leichter Hang zum Hymnischen. Das trippelnde "Dinge, die wir nicht verstehen" wird ebenso wie der fröhliche Pop-Song "Perfekt" bejubelt. Das frenetische "Revolution" wird zum breitbeinigen Stadionrocker, in dem das Gotteshaus unter dem fiebrigen Gitarrenspiel Thorsten Wingenfelders und dessen kongenialen Partner Norman Keil vibriert.

Überhaupt: Keil ist eine Entdeckung des Abends. Der 31-Jährige ist der "Benjamin" dieser Band - und ein Hasadeur an der Gitarre. Mit einer gehörigen Portion Star-Appeal ist er einer der Blickfänge auf der Bühne und fesselt wiederholt mit beeindruckenden, fingerfertigen Gitarrensoli. Klasse! Zu den Wingenfelders 2011 gehört die Ehrlichkeit zu sich selbst. Dass der Song "Die Angst vor der Angst" vor allem die Depressionen Kai Wingenfelders behandelt, "mit denen ich mich zehn Jahre lang herum geschlagen habe", ist ein Beispiel dafür. Mit ihrer Vergangenheit sind die Brüder im Reinen.

Das erfreut ihre langjährigen Fans. So fehlen "Fury"-Klassiker in der Setlist nicht. "Radio Orchid" oder "Time to wonder" zählen zu den Höhepunkten eines durch und durch einfach schönen Abends, bei dem alle auf ihre Kosten kommen: Eine Band mit großer Spielfreunde und die Fans in der Kirche. Bevor diese mit einer zarten, akustischen Version von "Trapped today, trapped tomorrow" auf dem Heimweg geschickt werden, haben die Wingenfelders noch ein Schmankerl bereit: Westernhagens "Der Junge auf dem weißen Pferd". Echt cool. Wie die ganze Band.

Radiopilot

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Auch Radiopilot aus Berlin sind alte Wattstock-Hasen. Die Preisträger des John Lennon Talent Awards waren bereits 2008 zu Gast bei uns und hinterließen ein begeistertes Publikum und viele neue Fans. Radiopilot werden Wattstock indoor eröffnen.

Siehe auch: